Der Sociseller Society Test wurde entwickelt, um die Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen von Individuen zu erfassen, die in modernen Netzwerken sowohl soziale Beziehungen pflegen als auch kommerzielle oder gemeinnützige Ziele verfolgen. Der Begriff „Sociseller“ fasst dabei zwei Ebenen zusammen: das Soziale als Grundlage von Vertrauen und Kooperation und das Sellersche Element als Ausdruck von Überzeugungskraft, Angebotserstellung und Einflussnahme. Ziel des Tests ist es, diese kombinierte Kompetenz empirisch messbar zu machen, um Bildungsangebote, Trainings und Forschung besser auf reale Anforderungen in Wirtschaft und Zivilgesellschaft auszurichten.
Konzeptionell besteht der Test aus fünf thematischen Dimensionen: Netzwerkkompetenz (Aufbau und Pflege von Kontakten), kommunikative Überzeugungskraft (Argumentation, Storytelling), digitale Präsenz und Medienkompetenz, ethische Orientierung und Transparenz sowie Engagement- und Kooperationsbereitschaft. Jede Dimension wird durch mehrere Items erfasst, die situativ formuliert sind und sowohl Selbstberichtselemente als auch kurze Szenariovignetten enthalten. Ergänzend werden Verhaltensindikatoren erhoben, bei denen Teilnehmende konkrete Handlungsschritte in hypothetischen Situationen angeben müssen, um Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und Handlungsabsicht abzubilden.
In einem Pilotdurchlauf mit 1.200 Teilnehmenden aus unterschiedlichen Altersgruppen und Berufsbiografien zeigte der Test eine klare Faktorstruktur: eine explorative Faktorenanalyse ergab fünf Faktoren, die zusammen rund 62 % der Varianz erklärten. Die interne Konsistenz der Skalen lag im akzeptablen bis guten Bereich (Cronbach’s alpha zwischen 0,74 und 0,86). Zur Prüfung der Validität wurden Korrelationen mit etablierten Instrumenten zur sozialen Kompetenz und mit beruflichem Erfolg herangezogen; erwartungsgemäße Zusammenhänge (moderate positive Korrelationen) bestätigten die konvergente Validität, während geringe Korrelationen zu irrelevanten Konstrukten die diskriminante Validität stützten.
Aus den empirischen Daten lassen sich mehrere Typologien ableiten. Eine Gruppe („Netzwerker“) punktete besonders hoch in Netzwerkkompetenz und Kooperationsbereitschaft, zeigte aber mittlere Werte in Verkaufsfähigkeiten. Eine zweite Gruppe („Digitale Überzeuger“) kombinierte starke digitale Präsenz mit hohem Storytelling-Potenzial, häufig vertreten bei jüngeren Teilnehmenden. Eine dritte Gruppe („Ethische Vermittler“) zeichnete sich durch hohe Transparenz- und Ethikwerte aus, jedoch mit zurückhaltender kommerzieller Ambition. Diese Typen sind praktisch nutzbar, um personalisierte Trainingskonzepte zu entwickeln: Netzwerker profitieren von Verhandlungstrainings, digitale Überzeuger von Plattformstrategien, ethische Vermittler von Formaten zur Wirkungsmessung und Skalierung sozialer Angebote.
Die Analyse zeigte außerdem systematische Zusammenhänge mit soziodemografischen Variablen: Jüngere Teilnehmende hatten im Schnitt höhere Werte in digitaler Präsenz, während berufliche Erfahrung positiv mit Netzwerkkompetenz und Überzeugungskraft korrelierte. Bildungsniveau hing moderat mit der Fähigkeit zur strukturierten Argumentation zusammen. Politische Einstellungen beeinflussten vor allem die ethische Orientierung und die Wahrnehmung von Transparenz als Wert. Solche Befunde sind wichtig, weil sie aufzeigen, dass Sociseller-Kompetenzen nicht gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt sind und dass Trainingsangebote differenziert gestaltet werden sollten.
Für Praxis und Forschung eröffnet der Test mehrere Einsatzfelder. Unternehmen können den Sociseller Society Test nutzen, um Mitarbeitende in Vertrieb, Community Management oder Corporate Social Responsibility zielgerichtet weiterzubilden. NGOs und zivilgesellschaftliche Organisationen erhalten ein Instrument, um Ehrenamtliche und Projektverantwortliche in ihrer Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit einzuschätzen. Auf politischer Ebene kann der Test Hinweise darauf geben, wie öffentliche Informationskampagnen gestaltet werden sollten, um Vertrauen und Beteiligung zu steigern. In der Forschung bietet der Test eine Grundlage für Längsschnittstudien zur Entwicklung sozial-kommerzieller Kompetenzen über die Lebensspanne.
Gleichzeitig muss die Studie kritisch reflektieren, dass Selbstberichtsinstrumente anfällig für soziale Erwünschtheit sind und dass kulturelle Unterschiede die Interpretation von Items beeinflussen können. Die Pilotstudie war stark städtisch geprägt; ländliche Perspektiven sollten stärker einbezogen werden. Weitere Validierungsarbeiten, insbesondere mit Verhaltensdaten aus realen Interaktionen und mit experimentellen Designs zur Verhaltensvorhersage, sind notwendig, um die prognostische Validität zu stärken. Auch ist die Anpassung an unterschiedliche Sprach- und Kulturkontexte ein wichtiger nächster Schritt.
Abschließend bietet der Sociseller Society Test ein pragmatisches und theoretisch fundiertes Instrument, um eine zunehmend relevante Mischkompetenz zu messen: die Fähigkeit, in sozialen Gefügen zu agieren und gleichzeitig überzeugend Ziele zu verfolgen — sei es wirtschaftlich, gesellschaftlich oder politisch. Durch weitere Validierung, breitere Stichproben und die Integration von Verhaltensdaten kann das Instrument zu einem Standardwerkzeug werden, das Bildung, Praxis und Forschung verbindet und so zur Förderung verantwortungsvoller und wirkungsorientierter Social-Selling-Kompetenzen beiträgt.


